Kosten-Nutzen-Analyse von Behandlungsprotokollen

Kühe frühzeitig tragend zu bekommen, stellt tatsächlich einen großen ökonomischen Wert dar. Darin sind sich alle führenden Ökonomen der Tiermedizin und Landwirtschaft einig. In den USA wird der Anteil der tragenden Kühe am 120. Laktationstag routinemäßig als Zielgröße genutzt um die Fruchtbarkeitsleistung verschiedener Herden zu vergleichen (benchmarking). Dabei ist es ein enormer Unterschied, ob die Trächtigkeiten im ersten oder im dritten Zyklus nach der freiwilligen Wartezeit erzielt worden sind.

Hauptsächliche gibt es drei Möglichkeiten um die Profitabilität eines milcherzeugenden Betriebes zu verbessern.

  1. Erhöhung der Milchleistung und/oder Verringerung der Produktionskosten.
  2. Verringerung der Aufzuchtkosten der weiblichen Nachzucht und/oder Verringerung des Erstkalbealters.
  3. Erhöhung der Nutzungsdauer und/oder Erhöhung der Zahl der Laktationen im Lebenszyklus der Milchkühe.

Ein konsequentes und geplantes Fruchtbarkeitsmanagement von Kühen und Jungrindern hat einen dramatischen Einfluss auf alle drei Punkte. Anstatt Färsen mit 28 bis 29 Monaten abkalben zu lassen (z. Zt. Durchschnitt in Deutschland) kann ein intensives Aufzucht- und Besamungsregime ein Erstkalbealter von 24 Monaten ermöglichen. Ein niedrigeres Erstkalbealter verringert die Aufzuchttage deutlich. So werden Kosten für Haltung und Fütterung wesentlich reduziert. Denn erst mit der Geburt eines Kalbes und mit der Produktion von Milch beginnt die weibliche Nachzucht einen finanziellen Beitrag zur Herde zu leisten und die Aufzuchtkosten zu amortisieren.

Wird die Fruchtbarkeit der Tiere auch in den folgenden Laktationen intensiv gemanagt, verbringen die Tiere prozentual mehr Zeit in dem ersten Drittel der Laktationskurve, der hinsichtlich der Milchleistung der intensivste und effizienteste ist.

Prof. Dr. David Galligan von der Universität von Pennsylvania betont, dass es enorm wichtig ist, Kühe im ersten Zyklus im Anschluss an die freiwillige Wartezeit zu besamen. Traditionell wird viel (oder wie Prof. Galligan sagt zu viel) Wert darauf gelegt, erkrankte Kühe zu diagnostizieren und zu heilen. Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, gesunde Kühe möglichst schnell wieder tragend zu bekommen. Dafür sind die Prävention von Gesundheitsstörungen und die Nutzung des ersten Zyklus nach der freiwilligen Wartezeit extrem wichtige Voraussetzungen. Deshalb ist ein intensives Monitoring der frisch abgekalbten Kühe (fresh cow monitoring) wichtig.

Wie bereits ausgeführt, ist die Trächtigkeitsrate der "Goldstandard" um die Fruchtbarkeitsleistung einer Herde zu messen. Allerdings weichen die durchschnittlich erreichten Werte (zwischen 15 und 20% in Ländern mit intensiver Milchproduktion) deutlich von den Idealwerten (33 bis 38%) ab. Durch ein strategisches Fruchtbarkeitsmanagement ist es möglich, im entscheidenden ersten Zyklus nach der freiwilligen Wartezeit viel zu erreichen. Wenn in dem ersten 21 Tage Intervall die Hälfte der Tiere tragend wird, beträgt die Trächtigkeitsrate für diesen Zyklus beachtliche 50%. Damit wird eine gute Grundlage für eine hohe Trächtigkeitsrate in der gesamten Herde gelegt. Weiterhin sind nur noch 50% der Tiere übrig (d. h. nicht tragend), um die wir uns in der folgenden Zeit kümmern müssen. Wenn wir hohe Trächtigkeitsraten erreichen, zeigen sich die Ergebnisse in absehbarer Zeit. Dazu gehören geringere Kosten für die Nachzucht, mehr geborene Kälber, eine Abnahme der Remontierungskosten, höhere Milchleistung (es gehen weniger ältere und leistungsfähigere Kühe ab), bessere Verteilung der Festkosten sowie mehr verfügbare Färsen für den Verkauf oder für eine Herdenerweiterung. Protokolle zur Brunst- und Ovulationssynchronisation sind wirksame Werkzeuge um frühzeitig hohe Trächtigkeitsraten zu gewährleisten. Behandlungsprotokolle können hier tatsächlich einen positiven Nutzen erzielen und zur Kostensenkung beitragen.

Ein Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, viele Trächtigkeiten frühzeitig zu erreichen. Zwei Betriebe melken jeweils 100 Kühe. Beide haben eine freiwillige Wartezeit von 60 Tagen und erreichen eine kumulative Trächtigkeitsrate von 60% am 143. Tag der Laktation. Betrieb A erzielt diese Trächtigkeiten jedoch im "vorderen Abschnitt" dieser 143 Tage (22,5% Trächtigkeitsrate) während Betrieb B mehr Trächtigkeiten im "hinteren Abschnitt" erreicht (17,6% Trächtigkeitsrate). Der Effekt wird an der Güstzeit deutlich. So weist Herde A eine mittlere Güstzeit von 86 Tagen auf während Herde B nur auf eine mittlere Güstzeit von 112 Tagen kommt. Prof. Galligan hat berechnet, dass dieser Unterschied für 100 Kühe einen wirtschaftlichen Vorteil von etwa 10.000 Euro ausmacht.

Natürlich hängt der exakte Wert von den herdenspezifischen Vorgaben ab. Dennoch können wir feststellen, dass im Bereich der Fruchtbarkeit "gutes Geld verdient" werden kann. Die Fruchtbarkeit einer Herde ist sicherlich nicht über Nacht zu verbessern, aber die Bemühungen lohnen sich auf jeden Fall. Es ist der Bereich des Managements, der erheblichen Einfluss auf nahezu jeden Aspekt des langfristigen Erfolges des Betriebes hat.

Rechts finden Sie einen Rechner, mit dem Sie die Kosten und Nutzen von Fruchtbarkeitsprogrammen darstellen können.

Allgemeine Betriebsbeispiele

Kosten-Nutzen-Rechner