Beurteilung von Brunstnutzung und Besamungserfolg

Die regelmäßige Beurteilung der Herdenfruchtbarkeit ist ein wesentlicher Anteil Ihrer tierärztlichen Betreuungsarbeit. Der erste wichtige Schritt besteht darin, einen Überblick über die Brunstnutzung und den Besamungserfolg zu bekommen. Das sind die "Schwergewichte" beim Fruchtbarkeitsmanagement.

Ziel einer jeden Brunstbeobachtung ist zum einen eine hohe Effizienz. Das bedeutet, dass pro Zeiteinheit (i.d.R. werden 21 oder 42 Tage zugrunde gelegt) möglichst viele Tiere als brünstig erkannt und besamt werden. Zum anderen soll eine hohe Genauigkeit erreicht werden. Als Folge einer hohen Genauigkeit werden nur wenige Tiere zum falschen Zeitpunkt d.h. nicht in Hochbrunst besamt, d.h. es werden nur wenige Besamungsfehler gemacht.

Im Durchschnitt werden in Ländern mit leistungsstarken Milchviehherden Brunstnutzungsraten erreicht, die weit unter dem anzustrebenden Wert von 60-80% liegen. Eine gut organisierte und fachlich fundierte Brunstbeobachtung hat deshalb eine zentrale Rolle im Fruchtbarkeitsmanagement. Die Aufgabe des bestandsbetreuenden Tierarztes besteht darin, Mängel in der Brunstnutzung zu erkennen und abzustellen.

Die Effizienz der Brunstnutzungsrate (BNR) können Sie mithilfe einer einfachen Tabelle der Brunstnutzungskarte bestimmen. Diese Karte füllen Sie gemeinsam mit dem Landwirt aus. Der Besamungstechniker oder -tierarzt streicht die aufgelisteten Tiere im Falle einer Besamung aus. Nach einem Zeitraum von 21-24 Tagen können Sie die Brunstnutzugsrage berechnen.

Beispiel. Es wurden 40 Kühe (jenseits der freiwilligen Wartezeit) auf der Liste vermerkt. Nach 21 Tagen sind 30 durchgestrichen. Die Brunstnutzungsrate beträgt 75% (30/40x100).

Die Genauigkeit der Brunstbeobachtung können Sie nur durch die Bestimmung der Konzentration von Progesteron in der Milch oder im Serum beurteilen. Dieses Vorgehen bietet sich insbesondere bei unbefriedigenden Besamungserfolgen und bei Auftreten von Zwischenbrunsten nach unregelmäßigen Zeiten an. Dazu bitten Sie den Landwirt oder Besamer unmittelbar nach der Besamung jeweils eine Milchprobe bei den nächsten zehn besamten Kühen zu entnehmen und einzufrieren. Diese lassen Sie dann auf die Konzentration von Progesteron untersuchen. Im Idealfall sollte kein Tier eine hohe Konzentration von Progesteron aufweisen. Bei mehr als zwei Tieren mit hoher Konzentration von Progesteron werden offensichtlich zu viele echte Besamungsfehler gemacht. Ein Training der Brunstbeobachtung mit Wiederholung der primären und sekundären Brunstanzeichen ist erforderlich.

Der Besamungserfolg als Anteil der erfolgreichen Besamungen bezogen auf alle Besamungen ist retrospektiv einfach zu berechnen. Mit einem Hilfsmittel können Sie frühzeitig negative Trends bei der Besamung erkennen. In dieses Formblatt zum Verfolgen des Besamungserfolges tragen Sie alle belegten Kühe ein. Je nach Ergebnis kreuzen Sie in der jeweiligen Zeile das nächstgelegene rechte (tragend) oder linke (nichttragend) Kästchen an. Trends sind optisch eindeutig und frühzeitig zu erfassen. Im Idealfall spielt sich der Besamungserfolg zwischen 40 und 60% ein.

Definitionen

Brunsterkennungsrate - Anteil der korrekt als brünstig erkannten Tiere

Brunstnutzungsrate - Anteil der korrekt als brünstig erkannten und besamten Kühe

Besamungserfolg - Anteil der tragenden Kühe nach Besamung

Die Definitionen aller wichtigen Fruchtbarkeitskennzahlen finden Sie zum Download in einer übersichtlichen Tabelle unter Tools.

Zwei Kühe auf der weide