Retrospektive Fruchtbarkeitskennzahlen

Die retrospektiven Kennzahlen basieren auf der Auswertung von Daten, die aus der Vergangenheit stammen.

Zwischekalbezeiten in drei Herden

Die Zwischenkalbezeit (ZKZ) beschreibt die Zeit, die zwischen zwei Kalbungen bei einer Kuh vergeht. Angestrebt wird hier eine Wert von etwa 12 - 13 Monaten für eine Herde. Voraussetzung für die Berechnung ist, dass zwei Abkalbungen auch tatsächlich stattgefunden haben. Alle Abgänge - aus welchem Grund auch immer - werden hier nicht mit berücksichtigt.

Im Bild rechts sehen Sie drei Herden, die alle eine ZKZ von 380 Tagen besitzen. Allerdings wird deutlich, dass es wichtig ist, die Zwischenkalbezeiten der einzelnen Tiere, d. h. die Verteilung, zu betrachten. Bei den Herden 1 und 2 findet sich eine deutliche Streuung. Dagegen liegen die Tiere der Herde 3 innerhalb weniger Tage zusammen.

Einfluss auf die Zwischenkalbezeit haben die Freiwillige Wartezeit, die Rastzeit sowie die Güstzeit.

Die Güstzeit (GZ) ist der Zeitraum zwischen Abkalbung und erstem Trächtigkeitstag. Sie setzt sich aus der Rastzeit und der Verzögerungszeit zusammen. Sie sollte zwischen 85 und 115 Tagen betragen, damit eine ZKZ von 12 bis 13 Monaten erreicht wird. Einfluss auf die Länge der Güstzeit haben die Rastzeit, die Brunstbeobachtung und der Besamungserfolg.

Die Rastzeit (RZ) entspricht dem Zeitraum zwischen Abkalbung und erster Besamung. Sie hängt von der Freiwilligen Wartezeit und der Qualität der Brunstbeobachtung ab.

Die Freiwillige Wartezeit (FWZ) ist eine Managemententscheidung. Es handelt sich um den Zeitraum nach der Abkalbung, in dem die Kuh nicht wiederbelegt wird. Sie sollte zwischen 45 und 70 Tagen betragen. Bei einer Freiwilligen Wartezeit von unter 45 Tagen sinkt die Konzeptionsrate (KR) deutlich ab, da die morphologische und funktionelle Rückbildung des Uterus erst nach dem Gesamtpuerperium von 40 Tagen p.P. abgeschlossen ist. Häufig liegt noch eine subklinische Endometritis vor, die den Besamungserfolg verschlechtert. Bei einer Freiwilligen Wartezeit von mehr als 70 Tagen steigt zwar die Konzeptionsrate an, aber Zwischenkalbezeiten von 12 bis 13 Monaten sind dann nicht mehr erreichbar.

Die Unfreiwillige Wartezeit (UFWZ) beschreibt den Zeitraum zwischen Ende der FWZ und erster Belegung. Sie ist abhängig von der Brunsterkennung und der Brunstnutzung. Die Brunsterkennungsrate (BER) beschreibt den Anteil brünstiger Tiere, die auch tatsächlich als brünstig erkannt worden sind. Als Ziel sollten hier ca. 60 - 70 Prozent erreicht werden. Die Brunstnutzungsrate beschreibt den prozentualen Anteil der Tiere, die alle 21, 42 oder 63 Tage nach Ablauf der FWZ besamt worden sind.

Ein Beispiel: Die Tiere kommen im Schnitt nach 10,5 Tagen wieder in Brunst. Bei einer Brunsterkennungsrate von 100 Prozent beträgt die UFWZ also 10,5 Tage.

Die Verzögerungszeit (VZ) ist das Intervall zwischen der ersten Besamung und dem ersten Trächtigkeitstag innerhalb einer Laktation. Hier werden nur Tiere erfasst, die auch tatsächlich tragend geworden sind. Sie wird vom Besamungserfolg und im Falle des Umbullen von der Brunstbeobachtung beeinflusst.

Nachfolgend sollen noch einige weitere Indizes und Kennzahlen kurz erläutert werden.

Der Trächtigkeitsindex (TI) bezeichnet die Anzahl der Besamungen pro tragend gewordenem Tier. Wurden 110 Besamungen benötigt, um 80 tragende Tiere zu bekommen, beträgt der Trächtigkeitsindex 1,4. Dabei werden nur Besamungen berücksichtigt, die bei den tragenden Tieren durchgeführt wurden.

CAVE: Die Definition für den Trächtigkeitsindex ist sicher nicht einheitlich.

Die Gesamtträchtigkeitsrate beeschreibt den prozentualen Anteil der tragend gewordenen Tiere an allen besamten Tieren.

Der Erstbesamungserfolg (EBE) beschreibt den prozentualen Anteil der Tiere, die nach der ersten Besamung tragend geworden sind. Als Ziel sollte ein EBE von mindestens 50 bis 60% erreicht werden. Häufig werden aber auch nur 35 - 40 Prozent erreicht.

Synonyme: Konzeptionsrate nach Erstbesamung

Die Abgangsrate gibt den Anteil der abgegangen Tiere im Verhältnis zur Gesamtzahl der Tiere der Herde an. Diese Rate muss berücksichtigt werden, da bei einigen Kennzahlen die Abgängen mitberechnet werden. Zudem können andere Kennzahlen positiv beeinflusst werden, wenn unfruchtbare Tiere ausgemerzt und dann nicht mit einberechnet werden. Dabei ist zu bedenken, dass mit der Remontierung unfruchtbarer Kühe oft nicht das zu Grunde liegende Problem angegangen wurde. Deshalb sollte immer die Gesamtabgangsrate und die Abgangsrate auf Grund von Fruchtbarkeit betrachtet werden.

Die Definitionen aller wichtigen Fruchtbarkeitskennzahlen finden Sie zum Download in einer übersichtlichen Tabelle unter Tools.

Animation zu den Fruchtbarkeitskennzahlen

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