Brunstsynchronisation (Programme mit Besamung nach Brunstbeobachtung)

Bei diesen Programmen wird zunächst eine Brunstsynchronisation vorgenommen. Da der Zeitraum, in dem die Kühe in Brunst kommen, vorgegeben ist, kann die auf bestimmte Tage konzentriert werden. Damit wird die Dauer der notwendigen Brunstbeobachtung reduziert. Die Intensität der Brunstbeobachtung muss jedoch erhöht werden.

Zur Brunssynchronisation kommen vor allem Programme mit Prostaglandin F2α (PGF 2α) zum Einsatz. Die Synchronisation mit PGF 2α ist nur dann möglich, wenn ein Gelbkörper (Corpus luteum) vorhanden ist. Dieser spricht auf PGF 2α an und es kommt zur Luteolyse. Ein Gelbkörper ist im Interöstrus zwischen dem 6. und 17. Tag des Zyklus vorhanden. In Abhängigkeit vom Zyklusstand kommen die Tiere dann nach 2 bis 7 Tagen in Brunst.

Hier stehen mehrere Programme zur Verfügung:

  • Einmalige Gabe von PGF2α
    Alle Tiere werden nach Ablauf der Freiwilligen Wartezeit (FWZ) mit PGF2α behandelt. Nach 3 bis 4 Tagen kommen 70 bis 80 Prozent der Tiere in Brunst und können nach Brunstbeobachtung besamt werden. Nach 18 - 24 Tagen findet eine Umrindererkontrolle statt. Nicht in Brunst gesehene Tiere müssen weiter beobachtet werden.
  • Zweimalige Gabe von PGF2α
    Dieses Programm gestaltet sich zunächst wie die einmalige Gabe von PGF 2α . Nach der ersten Injektion wird jedoch keine Brunstbeobachtung und keine Besamung vorgenommen. Stattdessen wird 14 Tage nach der erste Gabe eine zweite Gabe von PGF 2α durchgeführt. Danach wird dann die Brunstbeobachtung und die Besamung durchgeführt. Bei der ersten Injektion von PGF 2α besitzen rund 70 Prozent der Tiere einen Gelbkörper. Vierzehn Tage später besitzen diese Tiere sowie die Tiere, die auf Grund ihres Zyklusstandes nicht auf die PGF 2α -Gabe ansprachen, ein Gelbkörper. Im Idealfall kommen etwa 80 bis 90 Prozent aller Tiere in Brunst.
  • PGF 2α mit Vorauswahl
    Hier wird zunächst bei allen Tieren überprüft, ob ein Gelbkörper vorhanden ist. Dies kann mittels rektaler Untersuchung, Ultraschalluntersuchung oder Durchführung eines Milchprogesterontests erfolgen. Anschließend werden die Tiere, bei denen ein Gelbkörper nachgewiesen wurde mit PGF 2α behandelt. Bei allen Tieren wird danach die Brunstbeobachtung durchgeführt.
  • PGF 2α nach Brunstbeobachtung
    In diesem Programm werden alle Tiere mit PGF 2α behandelt, die innerhalb einer Woche nicht in Brunst gesehen und nicht besamt wurden. Diese Tiere befinden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Interöstrus. Nach Verabreichung von PGF 2α kommt es zur Luteolyse. Mit diesem Programm kann die Zahl der behandelten Tiere reduziert und damit die Kosten für die Medikamente eingedämmt werden.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Kombination vonPGF 2α mit dem Gonadortropin-Releasing-Hormon (GnRH). Hierbei werden zunächst alle Tiere mit GnRH behandelt. Zwei Wochen später werden alle Tiere mit PGF 2α therapiert und nach Brunstbeobachtung besamt.

Die Gabe von GnRH führt zur Ovulation eines dominanten Follikels. Je nach Zyklusstand wird ein neuer oder ein zusätzlicher Gelbkörper (Corpus luteum) ausgebildet. Dies führt auch zu einer zunehmenden Synchronisation der Follikelreifungswellen. Die Ovulationen finden in einem enger begrenzten Zeitraum statt als bei der alleinigen Gabe von PGF 2α . Bei der PGF 2α -Gabe ist deshalb bei den meisten Tieren ein Gelbkörper vorhanden. Erfahrungsgemäß kommen die Tiere dann nach 24 bis 72 in Brunst und können besamt werden. Bei diesem Programm wäre statt der Besamung nach Brunstbeobachtung auch die Möglichkeit gegeben, eine Doppelbesamung 48 und 60 Stunden nach der PGF 2α - Gabe durchzuführen. Die Besamungserfolge werden jedoch in der Regel als unbefriedigend eingeschätzt

Sie können sich den Ablauf der Programme in der Animation rechts ansehen.

Eine weitere Möglichkeit der Brunstsynchronisation ist die längerfristige Verabreichung von Gestagenen. Auch hier wird nicht auf die Brunstbeobachtung verzichtet. Progesteron kann über das Futter oder eine Progesteron freisetzende Spirale verabreicht werden. Damit wird dem Körper das Vorhandensein eines Gelbkörpers simuliert. Durch eine zusätzliche Östrogengabe kommt es zur Rückbildung eines vorhandenen Gelbkörpers oder dominanten Follikels. Damit kann der Gefahr eines persistierenden Follikels vorgebeugt werden.

Gegen den Einsatz von Gestagenen sprechen allerdings einige Faktoren. So kommt es bei der Verwendung vom Spiralen vermehrt zu eitrigen Vaginitiden oder Verlusten der Spiralen. Die orale Gabe muss täglich durchgeführt werden und verursacht einen hohen Arbeitsaufwand. In anderen Ländern angewandte Ohrimplantate sind in Deutschland nicht zugelassen.

Fruchtbarkeitsprogramme im zeitlichen Ablauf

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