Kontrollierter Hormoneinsatz

Das Ziel eines erfolgreichen Fruchtbarkeitsmanagements beim Rind ist es, möglichst viele Wiederholungen des Reproduktionszyklus bei einer Kuh zu ermöglichen. Dadurch ist es möglich, die Nutzungsdauer (zurzeit 4,6 Jahre, 2,2 Laktationen) zu erhöhen und die Abgänge wegen schlechter Fruchtbarkeit (zurzeit 21%) zu verringern. Wie bereits dargestellt, wird die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit durch die Qualität der beiden Faktoren "Brunstnutzungsrate" und " Besamungserfolg " bestimmt. In älteren Arbeiten zum Fruchtbarkeitsmanagement finden sich zahlreiche Zielvorgaben für die Brunstnutzungsrate (etwa 60-70%) und den Besamungserfolg (etwa 50%) um eine ausreichende Trächtigkeitsrate zu erzielen. In größeren Herden wurden in den letzten 10 Jahren derartige Werte jedoch nur in Einzelfällen erreicht. Vielmehr wird immer wieder insbesondere von unbefriedigenden Brunstnutzungsraten aber auch von niedrigen Erstbesamungserfolgen berichtet. Korrekt durchgeführte Analysen der Fruchtbarkeitssituation von einzelnen Herden ergeben nicht selten Brunstnutzungsraten von deutlich unter 50% und Konzeptionsraten von 30 bis 40%. Auch fällt auf, dass die Zeiten von der Abkalbung bis zur erfolgreichen Wiederbelegung (Güstzeit) kontinuierlich zunehmen.

Aktuell

In einer kürzlich in den USA (Bundesstaat Minnesota) an 2.327 Betrieben durchgeführten Auswertung wurden Werte von nur 35% für die Brunstnutzungsrate, von 40 % für den Besamungserfolg und von 14% für die Trächtigkeitsrate ermittelt. Da es sich dabei nur um Mittelwerte handelt, liegen einige Betriebe sogar noch deutlich darunter. Die Autoren schließen, dass großer Handlungsbedarf besteht.

Mittels kontrolliertem Hormoneinsatz ist es möglich, die oben erwähnten Wiederholungen des Reproduktionszyklus "unter Kontrolle" zu bekommen. Hierzu werden verschiedene Programme eingesetzt, zu denen Sie mehr unter Fruchtbarkeitsprogramme (Link) erfahren.

Voraussetzungen für einen kontrollierten Hormoneinsatz

Für ein strategisches Fruchtbarkeitsmanagement müssen einige, wichtige Voraussetzungen erfüllt sein. Sowohl von Ihnen als auch vom Landwirt.

Für den Tierarzt sind natürlich Kenntnisse über das strategische Fruchtbarkeitsmanagement Bedingung. Dazu gehören u.a. solide Kenntnisse über den Zyklus beim Rind, über die Endokrinologie sowie die Pharmakologie der zur Verfügung stehenden Wirkstoffe (Ansatzpunkte, Indikation, Dosierung und Wartezeit) und über die Einflussfaktoren der Fruchtbarkeit (u.a. Energiebilanz, Fütterung, Haltung). Wichtig ist auch, dass Sie die Analyse von Fruchtbarkeitskennzahlen beherrschen. Weiterhin ist eine hohe Bereitschaft zur systematischen Arbeit und die Fähigkeit Rückschläge zu verarbeiten wichtig. Letztlich ist eine durchdachte Strategie zur Überwachung eines Protokolls erforderlich. Dazu gehört die Planung, Fehlererkennung, die Erfolgskontrolle, die Verlaufsdokumentation und Anpassung.

Für den Milcherzeuger ist neben einer Herdengröße von etwa 80 bis 100 Tieren die Bereitschaft zur systematischen Arbeit und zu einer lückenlosen Dokumentation wichtig. Im Vorfeld muss die Fütterung und Haltung überprüft und eine eindeutige Identifikation aller Tiere sichergestellt sein.

Die Fähigkeit zur Selbstkritik und der dringende Wunsch nach ständiger Verbesserung sind für das Team Tierarzt-Landwirt das Salz in der Suppe

Mehr zu den Voraussetzungen und dem Vorgehen finden Sie unter Voraussetzungen und Vorgehen.

Kuh mit liegendem Kalb